Alles Fake auf der Fashion Week? Ein ehrlicher Rückblick

Foto © Paul Richter
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Fashion Week in Berlin. Viele Mädchen träumen davon, hier einmal Gast auf einer Schau oder einem Event zu sein. Alles wirkt Glamourös und toll. Fernsehkameras, Stars und Mode. Was will man mehr. Leider ist wie sooft nicht alles so wie es immer scheint.

Dienstag, 16. Januar, kurz vor 10 Uhr. Der erste Tag der Fashion Week hat begonnen. Bevor man sich ins Getümmel stürzt, kann man sich mit Make-Up und mehr in verschiedenen Suiten schick machen lassen.

„Ja bitte?!“ fragt die Security unhöflich und scannt mich von oben bis unten. „Guten Morgen“, sage ich sehr freundlich. „Ich habe um 10 einen Termin hier.““Tz….tja das is noch nicht! Es ist noch nicht 10!“ sagt er und zeigt auf seine Uhr. „Da müssen sie warten. Da ist die Schlange“. Ich versuche mir meine Unsicherheit nicht anzumerken zu lassen und drehe mich um, in Richtung Schlange. Dabei sehe ich wie gefühlt 20 Mädels, die alle gleich aussehen (Blonde lange und glatte Haare, hohe Pumps, keine Socken, Dreiviertel Hose mit einer Baker-Boy-Mütze auf), mich angucken und lachen. Vielleicht haben sie mit mich angelacht oder…mich ausgelacht. Ich gehe raus vor die Tür und tue so, als wenn ich etwas wichtiges mit meinem Handy machen muss. KANN VLT MAL JEMAND ANRUFEN?!
Ich nutze die Zeit draußen und Wechsel meine Schuhe. Im Januar kann und möchte ich nicht mit dünnen Schuhen draußen rumlaufen und mir so den Tod holen, einfach nur weil es schön aussieht. Ich habe eine dicke Strumpfhose an (die ich später noch ausziehe) und eine elegante drunter, um im inneren auch fäncy auszusehen. Ich habe keinen Shuttle, das heißt ich muss mit den Öffentlichen fahren und wir hatten eine scheiß kalte Woche in Berlin. Viele Promis, Blogger, Influenca lassen sich die ganze Woche kutschieren und schon ab da, leben sie ein anderes Leben.

Nachdem ich meine Ankle Boots gegen meine Winterstiefel getauscht habe, gehe ich wieder rein. Die Schlange hat sich nicht bewegt, also muss ich hinter den Mädels von gerade eben stehen. Alle sind wichtig. Alle und jeder wird von oben bis unten betrachtet. Alle sind cool. Ich bekomme schon fast keine Luft mehr vor lauter Coolness. Ich warte geduldig und lächle vor mich hin. Auf einmal kommt eine Mitarbeiterin, die das Event mit organisiert hat. Sie kennt mich bzw. weiß wer ich bin. Ich bin ja nun auch seit 2012 dabei. Sie weiß meinen Namen und bittet eine Kollegin, mir meine Jacke direkt abzunehmen. Schnurstracks werde ich zu meinem Termin gebracht und freue mich innerlich, dass ich doch „jemand“ bin.

Man kann sich schon sehr schnell, sehr unwohl fühlen. Es ist nicht, dass ich nicht genug Selbstbewusstsein habe. Sondern eher so, als wenn es mir direkt geraubt wird, wenn ich auf solche Events gehe. Die Blicke der anderen. Feste Cliquen bestehend aus Influencern, die ich noch nie gesehen habe, werden behandelt wie die Könige. Gehörst du nicht dazu, bleibt nur noch ein Augenrollen und lachen für dich übrig. Es ist so verrückt, weil so viele Mädels davon träumen! Ja na klar ist es schön so viel vor Ort zu testen, sehen und auch was geschenkt zu bekommen. Aber muss man damit mit seinem Selbstbewusstsein bezahlen?

Ein kurzer Exkurs zum Sommer letzten Jahres: Ich wurde behandelt teilweise nach dem Motto „Warum bist du hier?! Du hast keine 10.000 Follower also warum ist du hier?“ Es ist nicht mal so, dass mir das die Veranstalter gesagt haben, sondern eher die anderen Gäste.
Ein Beispiel: Ich war zusammen mit meinem Freund auf einem Event, auf das ich mich wahnsinnig gefreut habe. Wir kamen an und wurden nicht mal begrüßt. Es war  TOTEN STILLE, als wir in die Räumlichkeiten sind.  Ein paar Ex-GNTM Kandidaten und potenzielle Dschungelcamp Kandidaten der nächsten Jahre starrten uns an. Wir mussten ein paar Fotos in der Location machen und es war wirklich das unangenehmste überhaupt. Hier wurde mir bewusst wie nie, dass die Branche überquillt von Influencern und Bloggern. Da sind leider aber Leute dabei, die sich Follower kaufen. Das ist aber egal, den aktuell zählt mehr der Schein, als das Sein. Da wird man als Redakteurin sehr schnell abgeschrieben.

Ich war also sehr skeptisch was dieses Jahr betrifft. Kurz bevor es los ging und schon die ersten Stories auf Instagram erschienen mit „Packstress für Berlin!“ hatte ich das Gefühl, dass es auch erstmals negative Stimmen von Bloggern gab.
Kira von „Call me Shoppaholic“ hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie hat in ihrer Story erzählt, warum sie dieses Jahr nicht zur Fashion Week fährt. Letztes Jahr hätte ihr gereicht, denn es wird nicht mal mehr die Arbeit der Blogger gesehen, sondern nur die Follower. Sie stand mit zwei weiteren Mädels an einem Stand von einer Marke und der Mann/Vertreter hat nur die beiden anderen angesehen und mit ihnen geredet. Zum Schluss haben auch nur die Visitenkarten bekommen mit dem Verweis auf eine Kooperation. Abends saß sie im Hotelzimmer und hat ihr komplettes Leben angezweifelt. Du wirst teilweise so von oben herab behandelt und das, wie gesagt nicht von den Veranstaltern, aber von anderen Marken und auch anderen Gästen. Sollten wir uns nicht alle irgendwie unterstützen?! Bin ich nicht genauso ein Mensch wie eine der unzähligen Kandidaten vom Bachelor, die nach dem Show Aus direkt zur Influencerin gekürt werden?! Sollten nicht gerade Mädels zusammen halten und sich nicht an Bitchen. So war es aber leider im Sommer 2017. Einen tollen Post hat auch Dana von „How i met my outfit“ geschrieben.

Dazu kommt auch noch, umso mehr Stress du hast umso cooler bist du. „Ich muss gleich weiter. Ich bin noch bei Guido“ sind Sätze die beweisen wie cool du bist. Hast du nur 3 Events am Tag bist du eigentlich ein Looser. Ordentliche Gespräche kommen auch immer zu kurz, weil niemand richtig Zeit hat. Alles in einem, war ich sehr enttäuscht, dass ich das erste Mal solche Erfahrungen machen musste.

Wie war es also dieses Jahr?
Bis auf das oben geschriebene Erlebnis, hatte ich eine sehr erfolgreiche und super schöne Fashion Week. Vielleicht lag es auch einfach daran, weil ich wusste, dass so viele andere genauso denken wie ich. Das stärkt einen. Alle Veranstalter, Marken, Mitarbeiter etc. waren super lieb und nett. Man merkt auf jeden fall, dass es eine kleine Gegenbewegung gibt. Oder zumindest kann man sagen, dass mehr und mehr an die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit der unzähligen Influencer gezweifelt wird. Wie immer gibt es viele schwarze Schafe, die einfach nicht qualifiziert sind und nur mit schwimmen wollen. Die machen nicht nur den Bloggern der ersten Stunde (diese sind zurecht erfolgreich, weil sie teilweise Marken aufgebaut haben, eigene Marken besitzen und etwas kreieren) das Leben schwer, sondern sind dafür verantwortlich, dass der Branche die Glaubwürdigkeit flöten geht.

Ich bin sehr gespannt auf die nächste Fashion Week im Sommer und das nicht nur wegen der Mode und Designer.

http://www.youtube.com/dailyone

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